CDs des Monats

tru

von Cro
Chimperator (Groove Attack), 2017

tru von Cro

Cro, 1990 als Carlo Waibel im schwäbischen Mutlangen geboren, begann 2006 im Internet musikalisch in Erscheinung zu treten. 2011 bekam er seinen ersten Plattenvertrag und schuf mit aufgesetzter Panda-Maske den Ohrwurm «Easy». Die Mischung aus Rap und Pop macht ihn seither zum Dauergast in den Charts. Gepaart mit dem Geheimnis um sein Aussehen, avanciert Cro zu einem zugkräftigen live-act. Seine Plattenfirma schlug ihm damals vor, eine Maske zu tragen. Diese ermöglicht es ihm seither, völlig unerkannt ein Privatleben zu führen.

Auf Cro's neuer weissen Panda-Maske, welche er mit einem Kumpel und der Hilfe eines 3D-Druckers selbst hergestellt hat, prangt das chinesische Schriftzeichen für «wahr, echt» und so heisst auch sein neues Album «tru».
Rapper Cro hat in den vergangenen fünf Jahren ausprobiert, wie sich «bitches, money und cars». («fancy Scheiß») anfühlen. Nach den Platinalben und einem Til-Schweiger-Film will er wieder zu sich gefunden haben und zeigt sich auf seinem dritten Studioalbum erstaunlich ehrlich.

Die CD klingt zwar weniger locker-flockig, dafür umso melancholischer, selbst-reflektierend. In 17 Songs erzählt er aus seinem Leben auf und hinter der Bühne, von der Liebe, dem Vermissen und Suchen nach der perfekten Frau, der Angst, zu vergessen woher er kommt. Vier Gastsänger peppen die CD zusätzlich auf. Ein sehr gut produziertes Pop-Album, mit Ideen aus Funk und Gospel und gelegentlichen Flirts mit Soul. Die Single «Unendlichkeit“ wird wohl nicht der einzige Hit bleiben.


Pleasure

von Feist
Polydor, 2017

Leslie Feist, die kanadische Popsängerin, 1976 geboren, hat ihre ersten musikalischen Erfahrungen in einer Punkrockband ihrer Schule gesammelt. In Projekten mit verschiedenen kanadischen Musikern hat sie ihr Talent weiterentwickelt und 2004 ihr erstes Soloalbum veröffentlicht. Nach ihrem letzten Soloalbum, das 2011 erschienen ist, hat sie sich viel Zeit gelassen und dieses Frühjahr ihr viertes Album «Pleasure» herausgegeben. Die Songs wiederspiegeln, was sie in den letzten sechs Jahren erlebt hat, erzählen von Erfahrungen, Höhen und Tiefen im Leben, von Krisen und der wiedergefundenen Freude. In einem Interview fügt sie hinzu: «The sound of the late thirties».

Nun, wohin führt uns dieses «Vergnügen»? Für Feist stellt die CD einen Befreiungsakt dar, der spürbar ist. Die Platte wird begleitet von rockigen bis punkigen E-Gitarren-Tönen. Ausserdem spielt sie mit ihrer Stimme. Die Lieder werden von einem facettenreichen Gesang begleitet, der oft ruhig, zerbrechlich aber auch klangvoll ist und manchmal in kuriose Schreitöne abdriftet. Ihr Talent ist es, die Tiefe fühlbar zu machen. Das Paket ihrer Musik und Texte bietet einem an, darin zu versinken.

Das einzige Konzert in der Schweiz hat sie an den Winterthurer Musikfestwochen diesen August gegeben. Wer sie verpasst hat, jedoch gerne noch einmal ein paar Sonnenstrahlen, Tagträumereien und tiefe Emotionen hören möchte, kann die CD in der Stadtbibliothek ausleihen.


Diese und andere Neuheiten sind in der Stadtbibliothek ausleihbar.