Buch-Tipps des Monats

Sakari lernt, durch Wände zu gehen – Ein Kimmo-Joentaa-Roman

von Jan Costin Wagner
Galiani-Verlag Berlin, 2017

«In dem Sommer, in dem Marisa den Mond vermessen möchte, betritt Kimmo Joentaa den Raum, in dem das Meer zu Hause ist.»
Mit diesem Satz beginnt der neue Roman von Jan Costin Wagner - untypisch für einen Krimi, typisch aber für den Autoren, einem Meister im Beschreiben von Stimmungen und Gefühlslagen.

Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein nackter junger Mann in einen Brunnen. Er ist offenbar verwirrt und fügt sich mit einem Messer Verletzungen zu. Kurze Zeit später kann sich der herbeigeeilte Polizist Petri Grönholm nicht erklären, warum er den jungen Mann nach mehrfacher vergeblicher Aufforderung, das Messer wegzulegen, erschossen hat. Warum hat er das getan, obwohl doch eigentlich keine wirkliche Gefahr von dem jungen Mann ausging? Grönholm, gegen den unverzüglich eine interne Untersuchung eingeleitet wird, wendet sich an seinen Kollegen Kimmo Joentaa, der sofort bereit ist, ihm zu helfen. Im Laufe der ungewöhnlichen Ermittlungen, die nach bekannter Kimmo Joentaa-Manier mit ganzem körperlichem und seelischem Einsatz geführten werden, gerät er schon wenig später selbst in eine fürchterliche Tragödie. Es stellt sich heraus, dass das aktuelle Drama eine Vorgeschichte hat. Der junge Mann aus dem Brunnen spielte bei einem vier Jahre zurückliegenden Unglücksfall eine entscheidende Rolle. Ein Motorradunfall veränderte damals das Leben zweier Familien tiefgreifend.

Trotz aller Tragik ist das Buch berührend und schön geschrieben. Jan Costin Wagner zeigt wie bei seinen anderen Joentta-Romanen viel Feingefühl bei der intensiven und detaillierten Beschreibung der Innenwelten und Gefühlen der beteiligten Personen. Ein Buch, das einem noch lange in Erinnerung bleiben wird.


 

Dieser und andere Titel von Jan Costin Wagner sind in der Stadtbibliothek ausleihbar. Weiter zur Auswahl